Auf Herz und Nieren
26.05.2010 – Das RAG-Prüfwesen im Servicebereich Technik- und Logistikdienste geht den Dingen auf den Grund und sorgt für Qualität – präzise, unbestechlich und am liebsten vorbeugend.
Doch warum kam es überhaupt zu einem Ausfall? Beruht der Schaden an einer Maschine, einer Kette, einem Förderband auf normalem Verschleiß, auf fehlerhafter Bedienung oder auf Materialmängeln? Hier kommen die Mitarbeiter des Prüfwesens im Servicebereich Technik- und Logistikdienste ins Spiel – denn diesen Fragen nachzugehen ist entscheidend dafür, dass sich Schadensereignisse nicht wiederholen und Ursachen abgestellt werden können. Daher werden sie beim Ausfall von Anlagenteilen oder Maschinen von den Bergwerken über SAP informiert – und gehen dann der Sache systematisch auf den Grund.
Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit
Dazu arbeiten 14 Spezialisten im Werkstofflabor am Standort Pluto, weitere zwölf Mitarbeiter sind als Inspekteure vor Ort bei Befahrungen, Probenentnahmen oder auch Begutachtungen unterwegs. Sechs Mitarbeiter des Prüfwesens verfügen über die Anerkennung als öffentlich bestellte und vereidigte, unabhängige Sachverständige – für die Fachgebiete Maschinentechnik, Schweißtechnik, Schreitausbau, Ankertechnik und -ausbau, Ketten sowie Elektrotechnik. Wo die Fachleute des Prüfwesens untersuchen, zählt Gründlichkeit mehr als Schnelligkeit, ihre Methoden reichen vom Belasten und Zerspanen über magnetische und Ultraschallverfahren bis zur chemischen Analyse. Wenn sie etwas unter die Lupe nehmen, geht das vom bloßen Augenschein und der Dokumentation per Fotografie bis zur 50.000-fachen Vergrößerung unter dem Rasterelektronenmikroskop. Alle Untersuchungs- und Analysemethoden des RAG-Prüfwesens sind wissenschaftlich fundiert und folgen den Richtlinien des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) und vergleichbarer nationaler und internationaler Verbände. Vom Deutschen Akkreditierungsrat (DAR) ist das RAG-Prüfwesen nach DIN EN ISO/IEC 17025:2005 zertifiziert – und somit auch über die RAG hinaus als qualifizierte Fachstelle für Gutachten und Qualitätssicherungsmaßnahmen gefragt. Etwa ein Fünftel seiner Aufträge kommt so mittlerweile von Kunden außerhalb der RAG, vermarktet durch die RAG Mining Solutions – darunter zunehmend internationale Auftraggeber, etwa aus Polen, Tschechien, den Niederlanden, Frankreich oder den USA, wo eine aktuelle Anfrage die Qualitätssicherung bei der Fertigung von Bergbaumaschinen in China betrifft. Zwar ist die Schadensanalyse auch eine vorbeugende Maßnahme – um einmal aufgetretene Probleme nachhaltig auszuschließen. Noch lieber allerdings greifen die Mitarbeiter des Prüfwesens ein, bevor überhaupt ein Schaden entstehen kann. Dazu entwickelten sie ein Qualitätsmanagementsystem, dessen einzelne Elemente sich ergänzen und aufeinander aufbauen. So prüfen sie schon bei der Beschaffung von Materialien und Maschinen deren Qualität und die Produktionsbedingungen beim Lieferanten, um absehbare Probleme frühzeitig zu erkennen und einzudämmen. Auch als Anfang vergangenen Jahres auf dem Bergwerk Prosper-Haniel der mit siebeneinhalb Kilometer Länge und 8000 Tonnen Gewicht größte und leistungsstärkste Fördergurt der RAG ausgetauscht wurde, untersuchte das Prüfwesen den „Nachfolger“ zuvor auf Herz und Nieren, ehe er „anfahren“ durfte.
Qualitätssicherung Beschaffung
Schon bei der Beschaffung von Material, während der Fertigung relevanter Betriebsmittel hält das Prüfwesen ein wachsames Auge auf die Qualität. Ein SAP-basiertes System bewertet Lieferanten nach den Kriterien Preis, Lieferqualität, Liefertreue (Termine und Mengen) und Produktqualität. In den Lagern der RAG, aber auch beim Hersteller genommene Proben untersuchen die Inspektoren auf Material- und Fertigungsqualität. Aber auch die Anlagen und Prozesse bei der Herstellerfirma selbst sind Gegenstand der Beurteilung und fließen in die Gesamtbewertung ein. Mit Herstellern produktionsrelevanter Materialien arbeiten sie Qualitätssicherungsvereinbarungen aus. Stellen sie Mängel fest, können sie Auflagen erteilen, die Beobachtung intensivieren – oder schlimmstenfalls die Beendigung der Zusammenarbeit empfehlen.
Werkstoffprüfungen
Beim RAG-Prüfwesen zu untersuchende Proben und Materialien machen einiges durch: Sie werden belastet, gedehnt, gebogen und gebrochen, mit Säure übergossen, erschüttert und anschließend vor die Kamera gezerrt – alles, um zu untersuchen, ob sie den an sie gestellten Anforderungen genügen. Moderne, rechnergesteuerte Prüfmaschinen erlauben Dauerschwingversuche sowie Zug- und Druckversuche mit bis 2500 Kilonewton (kN), Kerbschlagbiegeversuche, Universal-, Makro- und Mikrohärteprüfungen, Funkenspektrometrien, Ultraschall- und Oberflächenrissprüfungen sowie Korrosions- und Hartmetallprüfungen an metallischen und nichtmetallischen Werkstoffen und Bauteilen. Mit mikroskopischen Methoden untersuchen die Spezialisten chemische Elementzusammensetzungen und -verteilungen, Partikel- und Korngrößenverteilungen sowie die Zusammensetzung von Materialeinschlüssen. Die bildgebenden Verfahren reichen von der 50-fachen Vergrößerung bei makroskopischen über die 1000-fache bei mikroskopischen Untersuchungen bis hin zur 50.000-fachen Vergrößerung unterm Rasterelektronenmikroskop, die modernste digitale Systeme auswerten.
Fotos zur Meldung
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Auf Herz und Nieren Nach dem Zugversuch: Rolf Müller prüft einen Fördergurt sorgfältig nach einem Belastungstest. |
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