Perfekte Performance
19.10.2009 – Die Strebe: Herzstücke der Bergwerke. Hier löst die Abbaumannschaft mit modernster Technik die Kohle aus dem Flöz. Maschinen und Anlagen der Gewinnungsbetriebe arbeiten eng aufeinander abgestimmt und bilden eine zusammenhängende Einheit. Die Kommunikation der Komponenten untereinander erfolgt digital. Nach festgelegter Choreographie bewegen sie sich aufeinander zu, halten Abstand, ändern ihre Bewegungsrichtung und überwachen sich gegenseitig. Ein perfektes Zusammenspiel, bei dem die Abbaumannschaft Regie führt.
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Die Lösearbeit der Kohle übernehmen als Gewinnungsmaschinen Gleithobel oder Walzenschrämlader. Sie gleiten beziehungsweise fahren auf dem Panzerförderer, der die gewonnene Kohle kontinuierlich aus dem Streb transportiert. Rückzylinder verbinden den Schreitausbau fest mit dem Förderer. Diese Zylinder schieben, der Bergmann nennt diesen Vorgang „Rücken“, den Panzerförderer um die Länge wieder an den Kohlenstoß, um die die Gewinnungsmaschine Fördergut aus dem Flöz gelöst hat. Außerhalb des Strebs gelangt die Kohle in den Kohlenbrecher, der sie zerkleinert und auf das Förderband Richtung Schacht aufgibt.
Elektronische Sensoren, elektrohydraulische Messeinrichtungen und Steuerungen überwachen und koordinieren das Zusammenspiel der mächtigen Maschinen und Anlagen im Streb und der nachgeschalteten technischen Einrichtungen. Erst wenn die computerunterstützte Steuerung meldet: „Alle Systeme betriebsbereit“, kann der Gewinnungsvorgang beginnen. Das heißt: Die Bandanlagen der Abförderung, der Kohlenbrecher, der Panzerförderer und die feine Bedüsung zur Staubbindung müssen in Betrieb sein, bevor die Mannschaft Walzenschrämlader oder Gleithobel in Marsch setzt.
Vernetzte Kraft schützt und gewinnt
Geologie und Flözeigenschaften entscheiden über den Einsatz der Gewinnungsverfahren. Der Walzenschrämlader findet seinen Einsatz bei großen Flözmächtigkeiten und harter Kohle. Für geringere Mächtigkeiten und eine weichere Kohlenschicht wählt der Bergmann den Gleithobel. Beide Gewinnungsmaschinen geben das Fördergut jeweils auf den Panzerförderer auf. Er besteht aus fest aneinandermontierten Stahlrinnen, in denen eine Panzerkette läuft. Massive Mitnehmer aus Stahl, in die Panzerkette integriert, fördern die gelöste Kohle aus dem Streb.
Der Walzenschrämlader, angetrieben durch starke Elektromotoren, schneidet mit zwei mächtigen, an den Enden des Walzenkörpers montierten Schneidwalzen die Kohle aus dem Flöz. Die vordere Schneidwalze schneidet die obere, die hintere die untere Flözpartie. Der Hobel, ohne eingebauten Antrieb bewegt durch eine massive, der Streblänge angepasste Antriebskette, gleitet den Kohlenstoß entlang und schält bei jedem Schnitt einige Zentimeter Kohle aus dem Flöz. Elektromotoren mit einer Gesamtleistung von rund 4500 Kilowatt und Betriebsspannungen von bis zu 3300 Volt treiben die Maschinen an. Zum Vergleich: Ein moderner, fast 70 Meter langer Triebzug der Baureihe 422 der Deutschen Bahn AG verfügt über eine maximale installierte Antriebsleistung von rund 3000 Kilowatt beziehungsweise 2350 Kilowatt Dauerleistung.
Der Schreitausbau übernimmt eine tragende Rolle im Streb. Er stützt das Gebirge. Er ist durch angebaute Rückzylinder fest mit dem Panzerförderer verbunden. Ein Betriebsdruck von 300 Bar erzeugt die erforderliche Kraft in den Hydraulikzylindern der Schilde. Eine elektrohydraulische Steuerung verbindet und vernetzt sämtliche Schilde im Streb und sorgt für Funktionen wie Heben und Senken der Schildkappen, Rücken des Förderers und Voranschreiten in Richtung des Kohlenstoßes.
