E wie Energie - Modular aufgebauter E-Zug versorgt Motoren untertage
12.10.2009 – Das E im E-Zug steht für Energie: Energie, die die Abbaubetriebe der RAG brauchen, um die Kohle zu gewinnen. Es steht aber auch für Elektrotechnik und Elektronik. Beides vereinigt der 280 bis 400 Meter messende Energiezug eines Kohlenreviers in sich.
Zu seinen einzelnen Modulen gehören eine Kompaktstation für den Walzenantrieb (beim Einsatz einer Schrämwalze), Transswitches für den Antrieb des Strebförderers, des Ladekratzers mit dem Kohlenbrecher, der Hobelmotoren (beim Einsatz eines Gleithobels als Gewinnungsmaschine) und den Betrieb der Strebkühler. Weitere, nicht weniger wichtige Komponenten des Zugs bilden Beleuchtungsstationen zur Energiezug- und Strebbeleuchtung, die Steuertafel mit der IPC-Zentrale und ein PC-Arbeitsplatz mit TFT-Bildschirm. Ausbau- und Kühlmittelsteuerung sowie die Versorgung der Elektromotoren mit Kühlwasser gehören gleichfalls zu den Modulen des Zugs. Kabelgirlanden nehmen die Stromkabel in Schlaufen auf. Speicher für rote Hochspannungskabel, blaue Steuerleitungen sowie orange Lichtwellenleiter-Kabel bilden weitere Komponenten.
Das alles reiht sich ähnlich wie die Waggons eines richtigen Zugs, Modul für Modul, hintereinander. Der Unterschied: Der E-Zug läuft nicht auf zwei Gleisen, sondern er hängt nur an einem – unter der Firste der Strecke. Und dort fährt er auch – immer dem Abbau folgend, durch hydraulische Schreitwerke bewegt.
Die IPC-Zentrale übernimmt eine besondere Rolle im Zug: Sie führt die Regie, wacht über alle Module und koordiniert ihre Arbeit. Auf Kommando organisieren die Bits und Bytes ihrer Rechnereinheit nach festgelegtem Programm in den Zug-Komponenten die Schaltvorgänge für den Anlauf der leistungsstarken Maschinen.
An alles gedacht, nichts vergessen? Thomas Odenhausen kontrolliert bei der Sichtprüfung mit Hilfe einer Checkliste und einem Klemmplan die Steuerung eines Transswitchs.
Dann ist da noch der Transswitch. Er gehört zu den integrierten Multitalenten des Bergbaus. Dieses variable Schaltgerät des Energiezugs beherbergt in sich sowohl einen Transformator („Trans“) als auch Schaltgeräte (Schütze, englisch: switches). Die integrierte Verbindung von Trafo und Schützen ersetzt die ursprünglich benötigten zwei Module, eines für die Schütze und eines für den Transformator. Jeder Transswitch dient der Stromversorgung und Steuerung mehrerer Elektromotoren, zum Beispiel für die Energieversorgung der Förderer, Brecher, Hydraulikpumpen, Ankerbohrwagen und den Hobelantrieb. Der eingebaute Transformator reduziert die angelegte Primärspannung von 10.000 Volt auf die gewünschte Ausgangsspannung von 220 oder 1000 Volt, die Sekundärspannung. Bis zu acht Schütze enthält ein Transswitch. Sie schalten, von der angebauten Steuerung befohlen, die Maschinen ein oder aus. Ströme bis 450 Ampere fließen über die vakuumgekapselten Schaltkontakte in die Anschlussleitungen der elektrischen Motoren, bringen diese in Bewegung. Im Vergleich: Ein handelsüblicher Lichtschalter für den Haushalt schaltet in der Regel eine Stromstärke von 16 Ampere. Die Vakuumkapselung verhindert Lichtbögen bei Schaltvorgängen mit hohen Strömen und damit das Verbrennen der Kontakte. Spezialisten des Zentralen Energiezugbaus in Bottrop montieren die Energiezug-Einheiten nach festgelegtem Standard. Die Programmierung und die Verdrahtung der Baugruppen sind auf allen Bergwerken gleich. Ein Techniker auf dem Bergwerk Auguste Victoria arbeitet daher am Energiezug mit derselben Technik wie auf dem Bergwerk Prosper-Haniel. Der Online-Support-Center (OSC) mit zentralem Sitz in Bottrop und die Bereichswarte des örtlichen Bergwerks bilden mit dem Energiezug ein Netzwerk. Es erlaubt Fernanalysen über die Betriebszustände, die Planung der Wartungsarbeiten und, wenn erforderlich, die Hilfestellung bei der Fehlersuche.